Fernsehteam begleitet Akademie-Stipendiatin nach Tadschikistan

Dr. Svenja Bonmann ist es mit ihrer Forschungsgruppe an der Universität zu Köln gelungen, eine 2000 Jahre alte Schrift zu entschlüsseln. Darüber hat nun auch die ZDF-Dokumentationsreihe „Terra X“ berichtet.

Porträtfoto Svenja Bonmann

Foto: Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und der Künste / Bettina Engel-Albustin 2025


Wie fühlt es sich an, wenn man nach 2000 Jahren der erste Mensch ist, der eine Schrift wieder lesen kann? Dr. Svenja Bonmann spricht von einem „Gefühl, das man mit nichts anderem vergleichen kann.“ Die Kölner Sprachwissenschaftlerin, die seit dem 1. Januar 2025 Mitglied des Jungen Kollegs der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste ist, hat mit ihrer Forschungsgruppe ein mittlerweile unter dem Namen Kuschana-Schrift bekanntes antikes Schriftsystem entziffert. In der sprachwissenschaftlichen Forschung ist ihr damit ein Durchbruch gelungen, über den nun auch Terra X, die Dokumentationsreihe des ZDF, berichtet hat. Am Sonntag, 1. März 2026, wurde die Sendung mit dem Titel „Magische Zeichen“, in der es um verschiedene unentzifferbare Schriftsysteme geht, ausgestrahlt.

Das Fernsehteam hat die Sprachwissenschaftlerin und ihre Froschungsgruppe auf eine Expedition nach Tadschikistan begleitet. Denn hier befand sich vor gut 2000 Jahren im sogenannten Hissar-Gebirge ein Teil des Kuschana-Reiches. Dessen Führungsschicht errichtete ein antikes Großreich im heutigen Zentralasien und Nordindien und  gebrauchte, neben lokalen Schriften der Region, offensichtlich auch eine eigene Schrift. Davon zeugen zahlreiche in Felsen gemeißelte Inschriften. Doch bislang konnte diese niemand lesen.

Den entscheidenden Fund entdeckten lokale Archäologen bereits im Sommer 2022 in den Bergen Tadschikistans. In gut 3000 Metern Höhe stießen sie auf eine Kuschana-Inschrift und unmittelbar daneben auf den gleichen Text in baktrischer Sprache mit griechischen Buchstaben. Letzteren konnten die Forscherinnen und Forscher aus Köln lesen und so ermöglichte ihnen der Vergleich der beiden Inschriften anhand von Wortwiederholungen Zeichen und Wörter in der Kuschana-Schrift zu identifizieren. Durch jahrelange Vorarbeit, gründliche Analyse und systematische linguistische Rekonstruktion kam es zu einer Kettenreaktion, die zur Entschlüsselung weiterer Teile der Kuschana-Schrift führte.

Nach ihrer Forschungsmotivation gefragt, antwortet Svenja Bonmann in der Fernsehdokumentation: „Ich will Menschen aus anderen Kulturen eine Stimme geben. Menschen, die nur noch durch ihre Schriftzeugnisse zu uns sprechen können.“ Im Fall der Führungsschicht aus dem Kuschana-Reich, die offenbar eine bisher unbekannte mitteliranische Sprache gesprochen und diese mit ihren eigenen Zeichen verschriftlicht hat, ist ihr das gelungen.

Die Terra X-Folge „Magische Zeichen“ finden Sie hier.