True Lies – Wahrheit(en) im Archiv?! Symposium mit anschließender Finissage „Leben nach Microsoft“

Archive sind kulturbewahrende Institutionen. Sie sammeln und erhalten materielles und immaterielles Kulturerbe, machen gleichzeitig Lücken und Leerstellen sichtbar. Was ist Wahrheit im Archiv – und was bleibt davon im digitalen Zeitalter? Zwischen Dokument und Manipulation, Speicherung und Steuerung geraten Gewissheiten ins Wanken. Das Symposium verhandelt das Archiv als umkämpften Raum von Erinnerung, Deutung und Macht – zwischen Kunst, Wissenschaft und algorithmischer Gegenwart.

Programm

16 Uhr | Begrüßung
Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck, Vizepräsidentin der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und Sekretarin der Klasse der Künste

Impulse

Prof. Dr. Ursula Frohne, Münster (Kunsthistorikerin)
Die Leerstellen des Archivs – Künstlerische Fiktionen als Arbeit an der Realität
Der Impulsbeitrag wird anhand von Fallstudien darstellen, wie Kunst, anstatt alternative Wahrheiten zu behaupten, in etablierte historische Narrative eingreift, sie ergänzt, befragt und neu lesbar macht. Der Beitrag fragt nach den Bedingungen, unter denen Kunst Erkenntnis erzeugen kann, wo Archive durch ihre Leerstellen und Auslassungen selbst Teil historischer Machtverhältnisse geworden sind.

Dr. Lisa Stuckey, Wien (Kunst- und Medienkulturwissenschaftlerin)
Tribunale Diskurs-Archivierung – Cancel Culture, Deplatforming und Politiken der Einladung als Tribunalisierungsdynamiken
Lisa Stuckey ist Kunst- und Medienkulturwissenschaftlerin. Seit 2026 arbeitet sie als Postdoc an ihrem Forschungsprojekt „TRIBUNALIZATION. Theory and Aesthetics of Tribunal Address“ an der Universität Wien (finanziert durch den FWF). Veröffentlichung als Autorin: Forensische Verfahren in den zeitgenössischen Künsten (De Gruyter 2022) und als Co-Herausgeberin: Uncertain Curiosity in Artistic Research, Philosophy, Media and Cultural Studies (Springer 2025).

Lennart Wolff (Architekt / Kurator) & Elisa R. Linn (Kuratorin), Berlin
Sprechende Kästen und bewegte Leiterplatten: über die Arbeit von Irma Hünerfauth
Elisa R. Linn (Kuratorin / Bard College Berlin) und Lennart Wolff (Architekt / Kurator) bilden das kuratorische Kollektiv km temporaer. Seit mehreren Jahren arbeiten sie mit dem Nachlass von Irma Hünerfauth und kuratierten 2023 in Kopenhagen deren erste posthume Einzelausstellung.
In ihrem Beitrag zum Werk von Irma Hünerfauth sprechen Linn und Wolff über die Verwendung von Leiterplatten, über Informationsflüsse, Bewegung und Manipulation im Werk Hünerfauths: durch die Linse ihrer eigenen Erfahrung in der Zusammenarbeit mit dem Archiv und Nachlass der Künstlerin.

16.50 Uhr | Pause

Constantin Leonhard, Köln (Performer im Theater und im öffentlichen Raum)
Performatives Experiment: „Suhlen in digitalen Archiven“
Constantin Leonhard konzipiert künstlerisch forschende Projekte, Performances, Videoarbeiten, Objekte und Szenografien für urbane Räume, Theater und Ausstellungen. Seine Kunst ist eine Einladung zu sensibler Aufmerksamkeit im Alltag und ein haptischer Anker in einer digitalisierten Welt. Zuletzt entstand die Performance Cryptobiosis, die Mikrobiologie und Kunst ineinander verstoffwechselt und die Performance Ballen Sie das Gesicht zur Faust, bei der militärische Gesten in weite Bewegungsimprovisationen verlernt werden.

Prof. Dr. Gabriele Gramelsberger, Aachen (Philosophin und Wissenschaftstheoretikerin)
Software - Archive des Ubiquitären
Gabriele Gramelsberger lehrt an der RWTH Wissenschaftstheorie und Technikphilosophie. Sie ist Direktorin des Käte Hamburger Kollegs "Kulturen des Forschens" und ordentliches Mitglied der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste. Zudem ist sie Leiterin des Akademienprojekts „Edition Wissenschaftliche Software (EWS). Wissenschaftshistorische und wissenschaftsphilosophische Forschung und Edition zur Softwaregeschichte der Digitalen Wissenschaften von 1950 bis 2010“.

Prof. Mischa Kuball, Düsseldorf (Konzeptkünstler)
The Revolution will not be Archived
Mischa Kuball ist Konzeptkünstler der seit 1977 im öffentlichen und institutionellen Raum arbeitet. Von 2007 bis 2026 war er Professor für public art an der Kunsthochschule für Medien, Köln, assoziierter Professor für Medienkunst an der Hochschule für Gestaltung/ZKM in Karlsruhe und seit 2015 Mitglied der NRW Akademie der Wissenschaften und der Künste.

Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck, Köln (Kunsthistorikerin und Kunstmarktforscherin)
Machtverhältnisse im Archiv. Zum Umgang mit Leerstellen in der Bestandsbildung
Nadine Oberste-Hetbleck arbeitet zur Geschichte des Kunstmarktes vom 19. bis zum 21. Jahrhundert, zu institutionellen Strukturen des Kunsthandels sowie zu Akteurs- und Netzwerkbeziehungen im nationalen und internationalen Kunstmarkt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt in der archivischen und digitalen Erschließung kunstmarktrelevanter Quellen. Sie ist Direktorin des Zentralarchivs für deutsche und internationale Kunstmarktforschung (ZADIK) in Köln. Seit 2021 außerplanmäßige Professorin am Kunsthistorischen Institut. Im selben Jahr wurde sie zum Mitglied und 2025 zur Sekretarin der Klasse der Künste der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste gewählt.

18 Uhr | Diskussionsrunde mit den Vortragenden
Moderation: Prof. Dr. Nadine Oberste-Hetbleck

Die Veranstaltung endet gegen 18.30 Uhr.

Im Anschluss an das Symposium besteht die Möglichkeit, die künstlerischen Positionen von Leben nach Microsoft zu besichtigen. Zum Anlass der Finissage lädt die Akademie zu einem Umtrunk ein.

Bitte teilen Sie uns unter anmeldung(at)awk.nrw.de mit, ob Sie teilnehmen werden.

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