Neue Akademie-Mitglieder 2026: Prof. Kathrin Röggla (Klasse der Künste)

Kathrin Röggla hat in Salzburg und Berlin Germanistik und Publizistik studiert. Der literarische Durchbruch gelang ihr spätestens 2004 mit dem Roman „wir schlafen nicht“, einer kritischen Betrachtung der sogenannten „New Economy“ mit ihrer unaufhörlichen Beschleunigung, dem Leistungsdruck und den prekären Arbeitsverhältnissen. Im April 2026 wurde die Autorin zur Rektorin der Kunsthochschule für Medien Köln (KHM) gewählt, an der sie seit 2020 als Professorin für „Literarisches Schreiben“ lehrt.

 

Porträtfoto Prof. Kathrin Röggla

Foto: AWK | Bettina Engel-Albustin, 2026


Mindestens zehn Menschen hat der Nationalsozialistische Untergrund (NSU) kaltblütig ermordet. Am 6. Mai 2013 begann der Prozess gegen die Neonazi-Gruppe. Fünf Jahre lang wurde vor dem Oberlandesgericht München verhandelt. Mit dabei waren neben den Prozessbeteiligten zahlreiche Interessierte, die der Verhandlung aus unterschiedlichsten Motiven beiwohnen wollten. Unter diesen interessierten Bürgerinnen und Bürgern nahm an vielen der mehr als 400 Verhandlungstage auch die Autorin Kathrin Röggla Platz. Sie beobachtete den Prozess aus der Perspektive der Zuschauerinnen und Zuschauer, die später als „Bloggerklaus“, „Gerichtsopa“ oder „Omagegenrechts“ zu den Protagonisten ihres 2023 veröffentlichen Werks „Laufendes Verfahren“ wurden.

Der Roman, der den Prozess aus einem ungewöhnlichen Blickwinkel in der Wir-Erzählform beschreibt, ist charakteristisch für Kathrin Röggla, die den Finger gerne in die Wunden unserer Gesellschaft legt.

Für ihren Roman beobachtete sie den NSU-Prozess aus der Perspektive der Zuschauerinnen und Zuschauer.

Die aus Salzburg stammende Schriftstellerin, die von 2015 bis 2024 Vizepräsidentin der Akademie der Künste Berlin war, gilt als eine der vielseitigsten deutschsprachigen Autorinnen. Ihre Werke werden von großen Verlagen veröffentlicht, sie schreibt fürs Radio und Theater, unter anderem für das Düsseldorfer Schauspielhaus, kuratiert künstlerische Formate wie das Projekt „Wo kommen wir hin“ der Akademie der Künste Berlin und beteiligt sich mit eigenen akustischen und audio-visuellen Installationen an Ausstellungen. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Schauspieler, Übersetzer und Regisseur Leopold von Verschuer, betreibt sie in Köln einen Ausstellungsraum.

Auszeichnungen/Mitgliedschaften

  • 2012 Arthur-Schnitzler-Preis
  • 2020 Wortmeldungen-Literaturpreis
  • 2023 Heinrich-Böll-Preis der Stadt Köln