Wie Demokratien enden

Prof. Dr. Christoph Nonn, Düsseldorf

Am Ende des Kalten Krieges erschien die Demokratie ein unbestrittenes Erfolgsmodell zu sein. Doch die um 1990 begonnene Demokratisierung in Osteuropa, Afrika und Lateinamerika hat allzu häufig mit Rückfällen in autoritäre Systeme geendet. Auch die Hoffnungen auf einen „arabischen Frühling“ wurden weitgehend enttäuscht. Seit Mitte der 2000er Jahre ist die Demokratie weltweit auf dem Rückzug. Sogar in Europa und Nordamerika, ihren frühen Hochburgen, haben populistische und extremistische Bewegungen, deren demokratische Ausrichtung zumindest zweifelhaft ist, breiten Zulauf. Selbst die ältesten Demokratien stecken heute in der Krise.

Das Scheitern von Demokratien ist freilich nichts grundlegend Neues. Die Geschichte besonders der letzten zwei Jahrhunderte bietet dafür reichlich Anschauungsmaterial. Was waren die Ursachen für demokratisches Scheitern in der Geschichte? Und lässt sich daraus für Gegenwart und Zukunft lernen?
 

Prof. Dr. Christoph Nonn, geboren 1964, studierte Geschichte, Politikwissenschaft und Anglistik an den Universitäten Trier und Warwick/Großbritannien. 1994 wurde er in Trier mit einer Arbeit über das wilhelminische Deutschland promoviert. 2000 folgte die Habilitation über die Krise des Ruhrbergbaus in den 1950er und 1960er Jahren in Köln. Er war Projektleiter des Zwangsarbeiterfonds der Jewish Claims Conference und Heisenberg-Stipendiat der DFG, bevor er 2002 als Professor für Neueste Geschichte an die Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf berufen wurde.

Seitdem hat Nonn über Antisemitismus geforscht, eine Biographie des Historikers Theodor Schieder geschrieben und zuletzt eine Geschichte Kölns in der Weimarer Republik veröffentlicht. Daneben bemüht er sich um die Aufarbeitung und Vermittlung fachhistorischer Erkenntnisse in eine breitere Öffentlichkeit. In diesem Rahmen entstanden Bücher über Migrations- und Umweltgeschichte, über das deutsche Kaiserreich und eine Bismarckbiographie. Auch ein von ihm herausgegebener Sammelband über das Ende von Demokratien gehört in diese Kategorie. Zur Zeit schreibt er eine Geschichte des Nationalismus in Deutschland.

Christoph Nonn ist seit 2025 ordentliches Mitglied in der Klasse für Geisteswissenschaften der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste.