Über die Gesellschaft, in der wir leben, kommunizieren wir nach wie vor so, als bestünde sie vor allem aus Wirtschaft und Politik. Wie der Soziologe Niklas Luhmann gezeigt hat, gibt es aber daneben auch noch eine Reihe von anderen gesellschaftlichen Teilsystemen, die nicht weniger unerlässlich und „systemrelevant“ sind als Marktwirtschaft und Wahldemokratie. Dass der Gesellschaftstheoretiker dabei an das System der wissenschaftlichen Forschung, an die Kommunikationen in Kirchen und Religionen, an die politisch neutrale Justiz dachte, hat man schon immer gewusst. Nun zeigt ein unlängst publiziertes Buch aus seinem Nachlass, dass er auch das Erziehungssystem in diese Reihe stellt. Über die Argumente, die er für die gesellschaftliche Funktion der Schulen und Hochschulen anführt, soll diskutiert werden. Eingeladen werden einerseits akademische Schüler des Bielefelder Systemtheoretikers, die mit seinem soziologischen Werk besonders vertraut sind, und andererseits Pädagogen, mit denen er seit den siebziger Jahren das Gespräch über die Realitäten, statt nur über die Ideale, der Erziehung gesucht hatte.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Projekts „Niklas Luhmann – Theorie als Passion. Wissenschaftliche Erschließung und Edition des Nachlasses“ statt, das im Akademienprogramm der AWK NRW gefördert wird.
Podiumsgäste
Jürgen Kaube, geboren am 19. Juni 1962 in Worms am Rhein. Seit 1992 regelmäßige Mitarbeit am Feuilleton der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, 1999 Eintritt in die Redaktion, zunächst als Berliner Korrespondent, seit September 2000 in Frankfurt. Zuständig für Wissenschafts- und Bildungspolitik wurde er im August 2008 Ressortleiter für die „Geisteswissenschaften“ und 2012 für „Neue Sachbücher“ sowie stellvertretender Leiter des Feuilletons. Seit dem 1. Januar 2015 Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Preisträger des Ludwig-Börne-Preises 2015. Preisträger des Deutschen Sachbuchpreises 2021 für die Biografie „Hegels Welt“ (2020).
André Kieserling (*1962), 1988 Abschluss des Studiums der Philosophie in Frankfurt a.M., 1988-1990 Studium der Soziologie in Bielefeld. Von 1990 bis 1993 wissenschaftlicher Mitarbeiter von Prof. Dr. Niklas Luhmann. 1997 Promotion mit einer interaktionssoziologischen Arbeit, 2000 Habilitation zur Soziologie der Soziologie. 2001-2006 Professor für politische Soziologie und Soziologische Theorie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz, seit 2006 Professor für Allgemeine Soziologie und Soziologische Theorie an der Universität Bielefeld. Leiter des von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste seit 2015 geförderten Nachlass- und Editionsprojekts „Niklas Luhmann – Theorie als Passion“.
Arbeitsschwerpunkte: Soziologische Systemtheorie, Soziologie der Interaktion, der Organisation und der sozialen Schichtung.
Rudolf Stichweh (*1951) hat von 1973 bis 1983 in Bielefeld Soziologie und Philosophie studiert und in Soziologie promoviert. Diplom und Promotion bei Niklas Luhmann. Nach der Promotion zehn Jahre Max-Planck-Gesellschaft (MPI Gesellschaftsforschung und dem MPI Rechtsgeschichte); 1990 Habilitation bei Luhmann. 1994-2003 Professor für Soziologie in Bielefeld als Nachfolger Niklas Luhmanns. Er ist heute ständiger Gastprofessor der Universität Luzern, deren Rektor er von 2006-2010 war; Gründungsdirektor und Emeritus, Forum Internationale Wissenschaft, Universität Bonn; Forscher in der Research Group „China in the Global System of Science“, MPI Wissenschaftsgeschichte, Berlin.
Arbeitsgebiete: Theorie der Weltgesellschaft; Wissenschafts- und Universitätsgeschichte; Demokratische und autoritäre politische Systeme; Systemtheorie.
Heinz-Elmar Tenorth (*1944) studierte Germanistik, Geschichte und Sozialkunde, Philosophie und Pädagogik. Lehramtsexamen 1970, 1975 Promotion im Fach Pädagogik an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Von 1978-1991 war er Professor für Wissenschaftstheorie und Methodologie der Erziehungswissenschaft an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a.M. und von 1991 bis 2011 Professor für Historische Erziehungswissenschaft an der Humboldt-Universität zu Berlin. Neben seiner wissenschaftlichen Forschung ist er zwischen 1995 und 2014 beratend in Kommissionen der Kultusministerkonferenz (KMK) und einzelner Bundesländern aktiv und an diversen Evaluationen der Bildungsforschung sowie von Hochschulen und Studiengängen beteiligt.
Arbeitsschwerpunkte: Theorie und Geschichte pädagogischen Wissens, Universitätsgeschichte.
Bitte teilen Sie uns unter anmeldung(at)awk.nrw.de bis zum 20. August 2026 mit, ob Sie teilnehmen werden. Veranstaltungseinlass ist ab 17.30 Uhr.