Vom Fundament bis zur Fassade
Was bedeutet wissenschaftliche Wahrheit? Mathematik, Architektur, Geschichte und Medizin eröffnen unterschiedliche Zugänge zu Beweis, Erkenntnis und Gewissheit. Im Fokus steht die Frage, wie Wahrheitsansprüche entstehen, wie sie überprüft werden und wo ihre Grenzen liegen.
Die Projektgruppe nähert sich dem Begriff und Verständnis von „Wahrheit“ aus den Perspektiven von Mathematik, Architektur, Geschichte und Medizin. Im Mittelpunkt steht dabei nicht allein der Vergleich der fachspezifischen Zugänge, sondern die Frage, was wissenschaftliche Wahrheit überhaupt ausmacht, wie sie begründet wird und wo ihre Grenzen liegen.
In der Mathematik entsteht Wahrheit durch logisch korrekte Beweise auf Grundlage von Axiomen. Die Geschichtswissenschaft hingegen arbeitet mit fragmentarischen und selektiv überlieferten Quellen und kann Vergangenheit nur rekonstruieren und interpretieren. Auch in der Architektur haben sich Vorstellungen davon, was als „wahr“ und gültig gilt, im Laufe der Zeit grundlegend verändert – von der Orientierung an kosmologischen Ordnungen bis zu modernen Konzepten. Die Medizin wiederum zeigt, wie wissenschaftliche Erkenntnis unmittelbar mit individuellen Erfahrungen verbunden ist und wie schwierig es sein kann, eindeutige Zusammenhänge etwa zwischen Wahrnehmung, Ursache und Wirkung zu bestimmen.
Die Projektgruppe stellt diese unterschiedlichen Zugänge zueinander in Beziehung und macht dadurch die Komplexität und Vielschichtigkeit von Wahrheitsansprüchen in der Wissenschaft sichtbar. Dabei geht es auch um persönliche Erfahrungen mit den Grenzen wissenschaftlicher Wahrheitsansprüche: Was können wir tatsächlich wissen, wie lassen sich Erkenntnisse überprüfen und wer entscheidet darüber, wann ein Zusammenhang als bewiesen gilt?
Die Ergebnisse und persönlichen Perspektiven der Projektgruppenmitglieder werden am 14. Oktober 2026 im Rahmen der Leo-Brandt-Veranstaltung in der Akademie präsentiert. Die Veranstaltung lädt dazu ein, den Begriff der Wahrheit aus unterschiedlichen wissenschaftlichen Blickwinkeln zu betrachten und die damit verbundenen Gewissheiten, Unsicherheiten und Spielräume zu hinterfragen.
Laufzeit:
seit 2026
Aktivitäten und Ergebnisse:
Vortrag „Vom Fundament bis zur Fassade“ bei der Leo-Brandt-Veranstaltung 2026
Zu den Bildern der Veranstaltung
Beteiligte:
Dr. Anna Bertelli
Archäologie
Ruhr-Universität Bochum
Dr. med. Maike Dohrn
Neurologie
Uniklinik der RWTH Aachen
Dr. Julia Exarchos
Geschichte
RWTH Aachen
Jun.-Prof. Dr. Hannes Gernandt
Mathematik
Bergische Universität Wuppertal
Dr. Felix Martin
Architekturgeschichte
RWTH Aachen
Jun.-Prof. Dr. Benjamin Paaßen
Informatik
Universität Bielefeld