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Interview mit Julia B. Bolles-Wilson: „Wissenschaft und Kunst kennen keine Grenzen“

Julia B. Bolles-Wilson, neugewählte Präsidentin der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste, spricht im Interview über ihr neues Amt, die Akademiearbeit in Pandemiezeiten und den Nachwuchs in Wissenschaft und Kunst.

Sie ist die Neue: Seit dem 1. Januar steht Julia B. Bolles-Wilson als erste Präsidentin an der Spitze der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste stehen. Und auch bundesweit ist sie die einzige Akademiepräsidentin.

Frau Professorin Bolles-Wilson ist seit 2009 ordentliches Mitglied der Akademie und war maßgeblich an der Gründung der Klasse der Künste beteiligt. Als Architektin genießt Frau Bolles-Wilson sowohl nationale als auch internationale Reputation. Sie studierte in Deutschland unter anderem bei Egon Eiermann und nach dem Diplom in London bei Elia Zenghelis und Rem Koolhaas. 1996 wurde sie als Professorin für Entwerfen nach Münster berufen. In England lehrte sie an der Chelsea School of Art und wurde 2015 als International Fellow in das Royal Institute of British Architects aufgenommen. In Anerkennung ihrer weit über die Landesgrenzen hinausreichenden bauästhetischen Tätigkeit erhielt sie 2010 den Künstlerinnenpreis Nordrhein-Westfalen.

Ihre Amtszeit hat am 1. Januar begonnen. Wie muss man sich Akademieleben in Zeiten der Pandemie vorstellen?

Gegenwärtig findet das Akademieleben überwiegend im digitalen Raum statt. Erst Anfang Dezember hat die Klasse der Künste, der ich angehöre, in einer Videokonferenz die Planungen für das kommende Jahr miteinander besprochen. Dabei wird in der Regel derzeit zweigleisig gefahren: Präsenzveranstaltungen sind für uns die erste Wahl und Plan B sind digitale oder hybride Formate. Natürlich muss man genau hinsehen und abwägen, für welche Art von Aktivität sich welches Format anbietet. Zum Glück haben wir nach fast zwei Jahren Pandemie alle Übung darin, auf Sicht zu fahren.

Das Präsidentenamt ist ein Ehrenamt. Was hat Sie gereizt, dieses zu übernehmen? Schließlich sitzen Sie in etlichen Auswahlgremien namhafter Architekturpreise, haben gerade gemeinsam mit Ihrem Mann die Nationalbibliothek in Luxemburg gebaut. Und jetzt auch noch erste Akademiepräsidentin und in dem Amt die einzige Frau bundesweit.

Ich übernehme die Aufgabe sehr gerne. Allerdings ist richtig, dass Akademiepräsidentin zunächst nicht auf meinem Zettel stand. Ich sehe die Wahl als Kompliment und Verpflichtung der Akademiemitglieder an mich. Die Wahl zur Präsidentin ehrt mich, denn die Akademie zählt bundesweit zu den wenigen traditionsreichen Institutionen, die erfolgreich versuchen, eine Brücke zwischen Wissenschaft und Kunst zu schlagen. Und diese Verbindung prägt mich und meine Arbeit seit Jahrzehnten – so bekommt diese Wahl vielleicht eine noch tiefere Bedeutung. Und gereizt hat mich nicht zuletzt auch die Chance, erstmals nach einem halben Jahrhundert die Akademie aus der Perspektive einer Frau zu erzählen.

Sowohl in dem Architekturbüro, dass Sie gemeinsam mit Ihrem Mann gegründet haben und das Sie mit ihm zusammen leiten, als auch in der Zeit als Dekanin des Fachbereichs Architektur in Münster haben Sie etliche junge Menschen in den beruflichen Startblöcken erlebt. Was ist Ihr Ratschlag für Kunstschaffende aber auch für Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am Beginn der Karriere?

Sowohl in der Wissenschaft als auch in der Kunst muss man mit ganzem Herzen dabei sein, auch um sich zu behaupten. Wenn Freude und Neugierde fehlen, sollte man ganz ohne Gram umkehren und einen anderen Weg wählen. Manchmal lohnt es sich allerdings, sich durchzubeißen, wenn Dinge mal nicht so glatt laufen. Leider habe ich auf dem Campus ebenso wie in der Praxis etliche vielversprechende junge Menschen, vor allem junge Frauen, getroffen, die zu schnell wieder weg waren. Wenn es mal nicht glatt läuft, ist es wichtig, Menschen um sich zu haben, die Unterstützung wie auch Kritik geben. Ich habe es immer geschätzt, wenn ich mich mit Anderen fachlich reiben konnte, die Impulse aus ganz anderen Disziplinen und Sparten beigesteuert haben und so mitunter zunächst einfach nur mein bisheriges Denken irritiert haben. Das lüftet den Kopf und weitet den gedanklichen Horizont. Übrigens ist das auch einer der Gründe, weshalb ich so sehr von der Idee des Jungen Kollegs der Akademie überzeugt bin.

Stichwort Junges Kolleg: Am 26. Januar findet auch der jährliche Forschungstag des Jungen Kollegs im Videoformat statt. Sie werden diesen eröffnen. Mit welchen Gefühlen?

Als Architektin tue ich mich schwer, mich nur auf die Zuschreibung als Künstlerin oder als Wissenschaftlerin zu beschränken. Was mich immer interessiert hat, sind die Schnittstellen zwischen den Bereichen. Wissenschaft und Kunst kennen im Kern keine Grenzen. Die Akademie und das Junge Kolleg werden noch einmal mehr eine Offenheit gegenüber Disziplinen, Methoden der Zusammenarbeit und Perspektiven einfordern. Das finde ich ausgesprochen anregend und reizvoll. Deshalb freue ich mich, dass die Eröffnung des Forschungstages vermutlich eine meiner ersten „Amtshandlungen“ in meiner neuen Funktion sein wird.